Generation Alpha verändert die Medienregeln
Kinderwelten: Wer verstehen will, wie Medien morgen funktionieren, sollte Kindern heute zusehen.
Die Mediennutzung von morgen ist längst Realität. Nur ist sie oft nicht mehr vollständig sichtbar. Kinder schauen fern, streamen, nutzen Youtube, hören Musik und Hörspiele, spielen Games und kommunizieren über Messenger. Sie wechseln selbstverständlich zwischen Geräten, Angeboten und Formaten. Was dabei entsteht, ist keine Verdrängung bestehender Medien, sondern eine immer vielfältigere Mediennutzung. Die Generation Alpha zeigt damit bereits heute, wie Medien künftig genutzt werden. Diese Entwicklungen standen im Mittelpunkt des Kinderwelten Spezial der Ad Alliance.
Die Nutzung verschwindet nicht – sie verteilt sich
Den Ausgangspunkt der Veranstaltung setzte Birgit Guth, Head of Content & Audience Research bei RTL Deutschland. Zentrale Erkenntnis ihrer Analyse: Kinder konsumieren nicht weniger Medien als früher, sie verteilen ihre Aufmerksamkeit lediglich auf deutlich mehr Angebote. Fernsehen bleibt dabei ein fester Bestandteil des Kinderalltags. 96 Prozent der 3- bis 13-Jährigen schauen weiterhin lineares Fernsehen. Gleichzeitig nutzen 70 Prozent Streamingangebote und 56 Prozent Youtube. Damit folgt die Medienwelt von Kindern längst nicht mehr den Grenzen einzelner Kanäle.
Wie stark sich die Nutzung verändert, zeigt ein Blick auf die Zeitbudgets: Das AGF-Panel weist durchschnittlich 22 Minuten lineare TV-Nutzung am Tag aus. Die Befragungsdaten von RTL kommen auf eine tägliche Bildschirmzeit von rund 144 Minuten. Neben Fernsehen entfallen große Teile der Nutzung auf Streaming, kurze Videos, Games und weitere digitale Aktivitäten.
Auch die technische Ausstattung verändert sich spürbar. Bereits 40 Prozent der 3- bis 13-Jährigen besitzen ein eigenes Smartphone. Besonders dynamisch entwickelt sich die Nutzung mobiler Endgeräte bei den 3- bis 5-Jährigen, die ein Smartphone oder Tablet nutzen dürfen – hier ist innerhalb von zwei Jahren der Anteil von 28 auf 51 Prozent gestiegen.
Kinder gelten seit jeher als Vorreiter neuer Nutzungsgewohnheiten. Entwicklungen, die sich heute in den jüngsten Zielgruppen beobachten lassen, geben oft frühzeitig Hinweise darauf, wie sich Mediennutzung insgesamt weiterentwickelt.
Die Herausforderung heißt Sichtbarkeit
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Ergebnissen der jüngst veröffentlichten AGF Next Gen Videostudie wider, die Kerstin Niederauer-Kopf vorstellte. Demnach ist Bewegtbild weiterhin fester Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen: Mehr als 85 Prozent nutzen entsprechende Angebote täglich.
Gleichzeitig verteilt sich die Nutzung auf immer mehr Kanäle, Plattformen, Formate und Endgeräte. Dadurch wird es zunehmend anspruchsvoller, ein möglichst vollständiges und vergleichbares Bild der tatsächlichen Nutzung zu erhalten. Die Herausforderung besteht deshalb nicht darin, sinkende Nutzung zu erklären, sondern Mediennutzung in ihrer ganzen Vielfalt sichtbar zu machen.
Trotz aller Veränderungen bleibt das gemeinsame Medienerlebnis relevant. Gerade bei jüngeren Kindern spielt Fernsehen weiterhin eine wichtige Rolle als gemeinsamer Moment im Familienalltag.
Orientierung wird wichtiger
Welche Folgen die wachsende Medienvielfalt für Kinder hat, zeigte Brigitte Bayer (GIM Gesellschaft für innovative Marktforschung). Kinder bewegen sich immer früher und selbstverständlicher in digitalen Räumen. Damit wachsen nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Risiken.
Umso wichtiger werden sichere und altersgerechte Medienumfelder, die Orientierung bieten und Eltern Vertrauen geben. Gerade in einer Medienwelt, die von immer mehr Angeboten und Kontaktpunkten geprägt ist, gewinnen kuratierte Kinderangebote zusätzlich an Bedeutung.
Die Medienwelt von morgen entsteht heute
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